Der irakische Regierungsrat

Schiiten, Kurden, sunnitische Araber, eine Turkmenin und ein Christ: Die 25 Mitglieder des Übergangsrates repräsentieren die verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Irak. Bis zu allgemeinen Wahlen sollen sie das Land regieren.

SCHIITEN (13)

Ahmed Tschalabi: Der 58-jährige Bankier war Doktor der Mathematik an der Universität von Chicago. 1992 gründete Tschalabi, ein Vertrauter von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, die Oppositionsbewegung Irakischer Nationalkongress (INC). Er verließ den Irak 1958 und kehrte im April 2003 mit den US-Truppen nach Bagdad zurück.

Abdel Asis Hakim: Vize-Präsident des Obersten Rats für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), der größten irakisch-schiitischen Oppositionsgruppe. Als Anführer des bewaffneten Arms der Partei lebte er 21 Jahre im Exil im Iran.

Akila El Haschimi: Die Auslandsexpertin war Mitglied der Baath-Partei und Schützling des ehemaligen Vize-Regierungschefs Tarik Asis. Unter Saddam Hussein kümmerte sie sich um die multilateralen Beziehungen Iraks.

Ijad El Alawi: Der 57-jährige Chirurg gehörte von 1961-1971 der Baath-Partei an und ging dann nach Beirut und London. 1991 gründete er die Nationale Irakische Einheit ENI. Erst nach Saddam Husseins Entmachtung kehrte er nach Bagdad zurück.

Ibrahim El Dschafari: Der 56-jährige Arzt ist Sprecher der radikalislamischen Schiitenpartei El Dawa. 1979, kurz vor dem Verbot der Partei im Irak, ging er ins Exil in den Iran und später nach London. El Dawa schwebt ein streng islamischer Religionsstaat vor.

Hamid Maschid Mussa: Der 62-jährige Generalsekretär der kommunistischen Partei Iraks ist Wirtschaftsexperte.

Abu Hatem: Der 45-jährige Stammesführer erhielt von den britischen Truppen den Spitznamen „Herr der Sümpfe“. Er verbrachte sieben Jahre im Gefängnis, bevor er 1986 im Sumpfgebiet im Süden des Landes verschwand. Von dort führte er sporadische aber spektakuläre Angriffe auf Saddam Husseins Regierung aus.

Scheich Barak Abu Sultan: Vorsitzender der Rechtsanwaltsvereinigung und der Menschenrechtsliga in Babylon im Südirak.

Muafak el Rubai: Das ehemalige El-Dawa-Mitglied ist ein gemäßigter Intellektueller.

Wahel Abdel Latif: Der Interims-Bürgermeister von Basra war seit 1982 Richter. 1994 war er ein Jahr im Gefängnis.

Essedin Salim: Der Historiker ist Vorsitzender der El-Dawa-Partei in Basra.

Mohammed Bachrul Ulum: Der 80-jährige liberale Ayatollah leitete in London das islamische Zentrum „Ahl Ul Bajt“. Er verließ Irak 1991, nachdem ein Teil seiner Familie von Saddam Husseins Leuten ermordet worden war. Nach dessen Sturz kam er zurück.

Radschiha Habib Chursai: Die Ärztin leitet eine Geburtsklinik. In den 60er Jahren lebte sie in London.

SUNNITISCHE ARABER (5)

Nassir Kamal Schaderschi: Der 70-jährige Anwalt ist Vorsitzender der Nationalen Demokratischen Partei.

Adnan Patschatschi: Der 81-Jährige war vor der Machtübernahme der Baath-Partei von 1965 bis 1967 Außenminister. Danach lebte er 23 Jahre in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in London. Er steht der Vereinigung unabhängiger Demokraten vor.

Ghasi El Jawar: Der 45-jährige Geschäftsmann gehört zum einflussreichen Stamm der Schamar, der über ganz Irak und die Nachbarländer verstreut ist. Er verbrachte 15 Jahre in Saudi-Arabien und kehrte im Juni nach Irak zurück.

Mohsen Abdel Hamid: Generalsekretär der 1961 verbotenen Islambrüder-Partei.

Samir Machmud: Der Unternehmer ist Chef des Clans der El Sumadija nördlich von Bagdad.

KURDEN (5)

Massud Barsani: Erbitterter Widersacher Saddam Husseins. Seit 1979 Führer der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK). 1963 wurde er Peschmerga (Kurdischer Kämpfer) im Irak. Saddam Hussein tötete drei seiner Brüder und ließ 17 Mal sein Dorf anzünden.

Dschalal Talabani: Der 67-jährige ist Gründer und Anführer der Patriotischen Union Kurdistan (PUK) und gilt ebenfalls als einer der unerbittlichsten Feinde von Saddam Hussein. Zwischen Talabani und Barsani herrscht eine langjährige Rivalität.

Salaheddin Bahaeddin: Der 53-Jährige steht den Islambrüdern nahe. Gründer und Vorsitzender der Kurdenpartei PUI.

Mahmud Ali Osman: Der 60-jährige Arzt war Parteifunktionär der DPK, bevor er in London 1975 die sozialistische Kurdenpartei gründete.

Dara Nureddin: Richter in Bagdad. Der Mittfünfziger wurde wegen Kritik an einer Resolution Saddam Husseins zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, nach einem Jahr im Rahmen einer Amnestie wieder freigelassen.

EIN CHRIST

Jonnadan Jussef Kanna: Er gründete 1981 die Demokratische Bewegung der Assyrer. 1996 wurde er Industrieminister der Regionalregierung in Erbil.

EINE TURKMENIN

Schangul Schapuk: Die 35-jährige Künstlerin ist ausgebildete Ingenieurin und Mitglied der Turkmenischen Front.

Basis: dpa