Zum Tod von Baba Sheikh, dem geistigen Oberhaupt der Eziden
Am 1. Oktober 2020 ist das geistige Oberhaupt der Eziden, Baba Sheihk (bürgerlicher Name: Sheikh Khurto Haji Ismail) im Alter von 87 Jahren (geb. am 01.07.1933) in einem Krankenhaus in Hewler (Region Kurdistan-Irak) gestorben.
Der Baba Sheikh ist die höchste Autoritätsperson in religiösen Angelegenheiten der Eziden. Er bestimmt den Kurs der Auslegung religiöser Pflichten und Traditionen und ist für den Schutz des Hauptheiligtums der ezidischen Gemeinschaft in Lalisch, der wichtigsten Pilgerstätte der Eziden in Kurdistan, verantwortlich. Er ist Mitglied des „Civata Ruhanî“, dem „Rat der Weisen“ und Berater des Mîrs, dem weltlichen Oberhaupt der Êzîden. Der Amtsträger wird nach einem gemischten Abstammungs- und Wahlprinzip bestimmt.
Der verstorbene Baba Sheikh übte sein Amt seit 1995 aus. Sein Amtsantritt fiel in eine schwierige politische Zeit. Dabei spielte er eine wichtige Rolle für das friedliche Zusammenleben der Religionen in der Region Kurdistan.
Nach dem Genozid des Islamischen Staats (IS) am 3. August 2014 in Shengal setzte er durch, dass die zwangsislamisierten Ezidinnen und Eziden wieder in die religiöse Gemeinschaft aufgenommen wurden. Dies war eine mutige Entscheidung, die mit der bisherigen Tradition brach und den Mädchen und Frauen, die von der Terrormiliz IS vergewaltigt und versklavt wurden, wieder eine Perspektive für einen Neuanfang gab.
Der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller würdigte ihn deshalb in einer Pressemitteilung vom 02.10.2020 als „wirklichen Friedensstifter“.
Dies wird unvergesslich bleiben. Er galt als Humanist und verkörperte Barmherzigkeit, Weisheit und Toleranz. Wir werden sein Andenken in Ehren behalten. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie und der weltweiten ezidischen Gemeinschaft.



