Wir gedenken und erinnern! Siebter Jahrestag des Völkermordes an den Êzîden
NAVEND – Zentrum für Kurdische Studien e.V. möchte heute, am 3. August, daran erinnern, dass sich der Völkermord an der Religionsgemeinschaft der Êzîden zum siebten Mal jährt.
Im Jahr 2014 überfielen Terroristen des sog. „Islamischen Staates“ (IS) die traditionell von Êzîden bewohnte Region Shingal. Nach Angaben der Vereinten Nationen ermordeten die islamistischen Terroristen über 5.000 Êzîden und entführten über 7.000 êzîdische Frauen und Kinder. Bis heute werden 2.800 Êzîden vermisst. Über 400.000 Menschen êzîdischen Glaubens verloren ihre Heimat und flüchteten zu großen Teilen in Flüchtlingslager der Region Kurdistan-Irak. Etwa 75.000 Êzîden suchten seit 2015 Zuflucht in Deutschland.
Diese entsetzlichen Grausamkeiten und das unvorstellbare Leid, das über diese Menschen gebracht worden ist, sind unterdessen kein singuläres Ereignis in der Historie der Êzîden. Ihre Geschichte ist geprägt von der Diskriminierung und Verfolgung durch Islamisten in der Region. Dieser bis heute andauernden ständigen Bedrohung muss mit einem wirksamen Minderheitenschutz in Kurdistan-Irak sowie im Irak als Ganzes begegnet werden. Erste Schritte wurden hierzu bereits mit dem sog. Shingal-Abkommen zwischen der Regierung der Region Kurdistan-Irak in Erbil/Hewlêr und der irakischen Zentralregierung in Bagdad gemacht. Das Abkommen soll eine Rückkehrperspektive für die Binnenvertriebenen schaffen und sieht insbesondere eine unabhängige lokale Verwaltung sowie die Übernahme von Sicherheitsverantwortung durch die lokale Polizei in Shingal vor.
Immer mehr Überlebende dieses Genozids, insbesondere mutige und starke êzîdische Frauen, sprechen über ihre Erlebnisse und geben den Opfern und Betroffenen in der Öffentlichkeit ein Gesicht. Wir alle sind angehalten, ihnen zuzuhören.
Das Gedenken und Erinnern mahnt uns, die Opfer dieses Völkermordes niemals in Vergessenheit geraten zu lassen. Wir alle sind aufgerufen, die existenzielle Bedrohung der êzîdischen Religionsgemeinschaft anzuerkennen und Leid und Gräuel dieses Ausmaßes nie wieder zuzulassen.
In tiefer solidarischer Verbundenheit.



