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Schleichende Massenflucht aus Südkurdistan: Ursachen und Perspektiven

 Von Cinur Ghaderi

Seit Beginn der neunziger Jahre fliehen immer mehr Flüchtlinge aus Südkurdistan nach Europa, vor allem in die Bundesrepublik Deutschland. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums haben 1996 10.842 Personen aus dem Irak Asyl beantragt. 1995 waren es 6.880 Personen. In der Liste der Hauptherkunftländer aus denen die Asylbewerber stammen lag Irak 1995 an vierter und 1996 sogar an dritter Stelle nach der Türkei und den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien.

Diese Tendenz. das Land zu verlassen bezeichnen Beobachter als „schleichende Massenflucht“. Im letzten Jahrzehnt gab es mehrere Fluchtwellen der Kurden im Irak. Während die Menschen jedoch früher eher in den Nachbarstaaten Türkei und Iran Zuflucht suchten und zurückkehrten, sobald die Situation sich entspannt hatte, fliehen die Menschen jetzt nach und nach ins weitere Ausland. In der Türkei und im Iran bleiben nur diejenigen, die nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, über Schlepper in ein europäisches Land, in die USA oder nach Kanada zu flüchten.

Was sind die Fluchtursachen?

Um die Ursachen zu verstehen, muss man die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation in Südkurdistan kennen. Soziale, wirtschaftliche, kommunikative gesundheitliche und infrastrukturelle Fragen sind bisher ungelöst. Das Land ist zerschlagen und zerstört von den Anfal-Kampagnen des Saddam Hussein, dem mit Unterbrechungen seit 1961 andauernden Bruderkrieg, dem acht Jahre lang andauernden Krieg zwischen Iran und Irak(1980-1988), dem zweiten Golfkrieg 1991, den Folgen des kurdischen Aufstandes im Frühjahr 1991, dem Exodus von 2 Millionen kurdischen Flüchtlingen in die Türkei und in den Iran und der Wirtschaftsblockade gegen die kurdische Region seitens des Irak und der UNO.

Die Bevölkerung in Südkurdistan ist nicht nur durch diese Ereignisse in der Vergangenheit erschöpft und demoralisiert, sondern sie hat auch Angst vor einer ungewissen Zukunft. Die kurdischen Parteien zeigen sich nicht als demokratische Alternative zur irakischen Regierung. Der Militärapparat Saddam Husseins droht, irgendwann wieder das Land zu besetzen. Durch die Arbil-Invasion im August letzten Jahres wurde diese verdrängte Befürchtung aktualisiert und bestätigt. Die Nachbarstaaten scheuen sich ebenfalls nicht, militärisch einzugreifen. So greift der Iran Stützpunkte der KDP-Iran und Komala in Irakisch-Kurdistan an. Die Türkei unternimmt grenzüberschreitende Angriffe mit dem Vorwand, gegen die PKK vorzugehen. Denn nach dem zweiten Golfkrieg 1991 ist es nur den Truppen Saddam Husseins untersagt, die kurdischen Gebiete anzugreifen, militärische Operationen der anderen Teilungsstaaten auf kurdischem Gebiet berühren niemanden. Auch auf internationaler Ebene – das haben die meisten Kurden in Südkurdistan verstanden – hat niemand ernsthaft den Willen, die kurdische Frage als ein politisches Thema zu behandeln, das nach politischer und nicht nach humanitärer Lösung verlangt. Die internationalen Interessen richten sich auf ein Machtgleichgewicht im Nahen Osten, bei dem keiner die Oberhand hat. Sie decken sich nicht mit den Bedürfnissen des kleinen kurdischen Mannes.

Probleme des Alltagslebens:

Die politische Situation wirkt sich natürlich auf das Alltagsleben auf verschiedenen Ebenen aus.

 1. Wirtschaftliche Situation

Die Kaufleute erleben ständig Verluste, die Inflation lässt sich durch nichts aufhalten, Angestellte und Beamte erhalten kein Gehalt, und wenn, dann weniger, als sie verdienen und viel weniger als das, was sie zum Leben brauchen. Ein anschauliches Beispiel:
Ein Lehrer verdient in 45 Tagen zwischen 150 und 250 Irakische Dinar (ID). Allein für die Fahrtkosten benötigt er jedoch 60-120 ID. 1 kg Fleisch kostet 45 ID, 1 kg Zucker 15 ID, ein Pullover nicht unter 150 ID. Die meisten können nicht leben, ohne fortwährend ihren gesamten Hausrat, Gegenstände, Teppiche, Türen und alle Wertsachen zu verkaufen. Die Angst steigt bei Familien, die sich fragen: Was sollen wir verkaufen, um unsere Kinder zu ernähren, wenn es nichts mehr zu verkaufen gibt? Viele Familien entscheiden sich, ihr gesamtes Hab und Gut auf einmal zu verkaufen, damit ein Familienangehöriger das Land verlassen kann, im Ausland ein neues Leben beginnt und den Daheimgebliebenen hilft oder sie im Rahmen der Familienzusammenführung nachziehen. Die Flucht eines Familienangehörigen ist für diese Menschen eine Art Lebensversicherung in einem Land, das kein soziales Sicherungssystem kennt.

2. Resignation des ständigen Wiederaufbaus

Die Menschen in Südkurdistan haben sich in der Regel in den letzten Jahrzehnten wiederholt eine Existenz aufgebaut, die immer wieder in Folge von Krieg, Vertreibung und Flucht zerstört wurde. Die Zukunft verspricht leider auch keine bessere Aussicht, sei es unter der Führung der kurdischen Parteien oder unter dem Diktator Saddam Hussein. Eine Rückkehr Saddam Husseins bedeutet, eingekerkert zu sein in einem großen Gefängnis namens Irak, wo keine Kontakte mit der Außenwelt erlaubt sind, wo jeder Schritt durch den Sicherheitsapparat kontrolliert wird und wo vor allem Männer im wehrdiensttauglichen Alter um ihr Leben bangen müssen. So beherrscht Ungewissheit weiter das Land. Mit Flucht verbinden viele der Betroffenen die Sicherheit, einmal im Leben Aufgebautes zu behalten und nicht immer wieder mit nackter Existenzangst konfrontiert zu werden.

3. Miserable Gesundheitsversorgung

Kranke können mit Medikamenten nur unzureichend versorgt werden. Es gibt wenig Spezialgeräte, die Krankenhäuser sind unhygienisch und es mangelt an Ärzten. Eine Schwangere, die zur Entbindung in ein Krankenhaus fährt, ist gut beraten, sich Kerzen (falls Strom ausfällt), eine Glühbirne (falls doch Strom fließen sollte), eine Decke, eine Matratze, irgendeinen Heizkörper und einen Stuhl für den Besuch mitzunehmen. Lebensnotwendig kann es auch werden, dass ein naher Angehöriger ständig präsent ist, denn die Krankenschwestern pflegen oft nur unzureichend, weil sie überarbeitet oder frustriert sind. Ohne Beziehungen oder Geld lässt sich nicht garantieren, dass ein Narkosemittel solange anhält, bis die Operation beendet ist. Viele Menschen, die an Krankheiten wie beispielsweise Diabetes mellitus leiden, sind darauf angewiesen, dass sie aus dem Ausland von Verwandten oder Bekannten die für sie lebensnotwendigen Medikamente erhalten, um am Leben zu bleiben. Jedes Mal, wenn das Medikament zu spät ankommt, müssen diese Menschen sich mit ihrem Tod auseinandersetzen und mit der Vorstellung, das sie nur durch Flucht in ein europäisches Land ihre Haut retten können. Flüchten können natürlich nur die wohlhabenden, jungen Kranken.

4. Die Situation von Kindern und Jugendlichen

Die psychische und physische Gesundheit von Kindern kann als ein Maß gesehen werden für die Gesundheit einer Gesellschaft. Die Situation der kurdischen Kinder ist nicht erfreulich. Es mangelt an Milch und Medikamenten für Säuglinge und es fehlen oft Wasser und Strom, die beiden Voraussetzungen, um Kinder sauber zu halten.

In der Schule gibt es zu wenige Bücher, nicht selten müssen sich mehrere Kinder ein Buch teilen. Die Schulen sind nicht geheizt, die Kinder können im Winter vor Kälte kaum ihren Stift halten. Dadurch schreitet der Unterricht nur langsam voran. Immer mehr Eltern können ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken, weil sie das Fahrgeld nicht aufbringen können oder kein Geld haben, um die notwendigen Schulmaterialien zu besorgen. Diese Bedingungen demotivieren die Lehrer und führen zu einer Senkung des allgemeinen Bildungsniveaus. Jugendliche und Heranwachsende haben keine Zukunftsaussichten. Ihr Schulabschluss wird in keinem anderen Land anerkannt und im eigenen Land herrscht hohe Arbeitslosigkeit. Eine Familie zu gründen wird für viele unmöglich, da sie es nicht bezahlen können. Denn trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation bleibt die Gesellschaft den Traditionen treu und Heiratszeremonien müssen eingehalten werden. Selbst, wer alles so günstig und billig wie möglich organisiert, kommt um einen Preis von 10 000 Irakischen Dinar nicht umhin. Diese Situation entwickelt sich zu einem Problem: Es ist eine Gesellschaft, bei der eine Zweierbeziehung ohne Trauschein völlig tabuisiert ist, aber die jungen Mitglieder dieser Gesellschaft können sich diese Tradition nicht leisten. Es hat sich eine Tendenz entwickelt in den letzten Jahren, dass viele der jungen Männer, die in den 80er Jahren als Kriegsdienstverweigerer in die hiesige Gesellschaft geflüchtet waren, zurückkehren, um eine Kurdin zu heiraten. Sie haben die Hoffnung, dass sie mit einer Frau mit gemeinsamer Sprache, Herkunft und Mentalität glücklicher leben werden. Oft verkennen sie, wie die Jahre im Exil sie verändert haben. Diese Frauen reisen normalerweise im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland ein.

5. Wert- und Normvorstellungen

Durch den starken Wandel der Lebenssituation, die wirtschaftlichen Probleme, den vermehrten Kontakt zur Außenwelt, geraten einige Norm- und Wertvorstellungen ins Wanken. Das Beispiel Heiraten wurde bereits angeführt. Es gibt jedoch auch weitere Bereiche: Die Gastfreundschaft, verbunden mit dem großzügigem Servieren von Speisen und Getränken oder der Leichenschmaus bei einer Trauerfeier können aus finanziellen Gründen nicht aufrechterhalten werden.

In dieser stürmischen Zeit der Labilität, wo nicht einmal alte Traditionen Halt bieten können, suchen die Menschen innere Stabilität in einer Gruppe oder einer Ideologie. Der Kommunismus konnte diese Lücke nicht füllen, da er als gescheitert gilt. Der Islam erscheint als die attraktivere Alternative, zumal in dieser wirtschaftlich schlechten Situation aktive Anhänger auch finanziell unterstützt werden. So kann man sich vielleicht erklären, wie der Islam in Südkurdistan fruchtbaren Boden gefunden hat, die kurdischen Parteien sich so oft Fehler leisten konnten und dennoch Anhänger finden und die Nachfrage nach Hellsehern und Mystik stetig steigt.

6. Die Situation der Frauen

Sicher gelten die bisher genannten Fluchtgründe ebenso für Frauen, dennoch gibt es auch frauenspezifische Fluchtursachen. Die medizinische Unterversorgung trifft vor allem Frauen. Sie gebären Kinder, begleiten ihre Kinder zum Arzt und erleben täglich die Mängel am eigenen Leib. Obwohl viele Familien sich einig sind, dass bei ihrer finanziellen Situation keine weiteren Kinder in Frage kommen, werden die Frauen schwanger, da es keine Verhütungsmittel gibt. Da Abtreibung tabu ist und als Sünde gilt, versuchen viele Frauen durch andere – meist gesundheitsschädliche – Methoden eine Fehlgeburt herbeizuführen.

Es gibt Frauen, die aus ihrem Leben mehr machen möchten und die bisherigen Erwartungen nicht mehr erfüllen möchten. Doch anstatt im Land für ein anderes Rollenverständnis der Geschlechter zu kämpfen, versuchen sie, Konflikte zu vermeiden und sofort im Ausland ihr neues Leben zu beginnen. Es lässt sich nicht leugnen, dass viele vor familiären Schwierigkeiten flüchten. Einige Frauen hoffen, sich im Ausland scheiden lassen zu können, ohne die damit verbundene gesellschaftliche Ächtung erleben zu müssen. Oft kommt eine Trennung in der Heimat aus finanziellen Gründen nicht in Betracht, da die Frau ihre Kinder allein nicht ernähren könnte.

Der Traum vom Paradies: Ausland

Weder die kurdischen Parteien, schon gar nicht Saddam Hussein, konnten den Menschen Frieden, politische Freiheit und Demokratie bieten. Nach dem Frühjahrsaufstand 1991 konnten die Menschen ein wenig die Luft der Freiheit ohne Präsenz des irakischen Militärs in Kurdistan atmen, doch dafür haben sie mit ihrem Wohlstand büßen müssen. Denn die Lage in Südkurdistan, die Depression, die die Menschen festhält, ist nur zu verstehen vor dem Hintergrund, dass sie früher anders gelebt haben. Im Irak gab es unter Saddam Hussein keine Meinungsfreiheit, keine Bewegungsfreiheit und das Leben war bedroht durch Deportation, Giftgas, Mord, wenn nicht gar Völkermord. Doch im allgemeinen hatten die Menschen einen hohen Lebensstandard, sie waren reich, sie hungerten nicht und konnten sich jeden Luxus leisten. Es war klar, wen man zu verabscheuen hatte, nämlich die Baathisten, und auf wen die Kurden stolz waren, nämlich die Freiheitskämpfer, die Peshmerga. Es war klar, wer die Feinde waren, wer die Freunde waren. Heute ist vieles komplizierter. Die Bedrohung durch Saddam Hussein ist allgegenwärtig, ihren Wohlstand haben die Menschen nach und nach aufgebraucht, die Peshmerga kämpfen, um durch ihren Sold ihre Familien zu ernähren, und die kurdischen Parteien haben die Kontrolle über die Situation verloren. Die Menschen sind enttäuscht, erschöpft, resigniert. Sie glorifizieren die Vergangenheit und malen die Zukunft schwarz. Und wer möchte es ihnen verübeln? Eine Zukunft sehen sie nur noch im Ausland. Während es Anfang der 90er Jahre das Leben in Europa sein sollte, ist es vielen mittlerweile gleichgültig, wo sie leben. Hauptsache weg von diesem Land.

Sie machen sich Illusionen, wie wunderbar das Leben überall im Ausland ist und können und wollen sich die Realität nicht vorstellen, wie z.B. eine andere Gesetzgebung, andere Regelungen, Aufenthaltsprobleme, Normen, Sprachprobleme, Orientierungsschwierigkeiten usw.

Lebenssituation in Deutschland

Viele der Flüchtlinge sagen anfangs bei ihrer Ankunft in Deutschland: Ich fühle mich wie neu geboren. Erst im Laufe der Zeit erkennen sie, dass sie in diesem Land zwar keine Existenzangst haben müssen und demokratische Verhältnisse herrschen, dennoch ein Berg anderer Probleme sich vor ihnen aufbaut. Statt des erhofften Wohlstands und Ansehens, wie sie es aus früheren Zeiten gewohnt waren und nun im Ausland wiedererlangen wollten, erleben sie eher einen Statusverlust in der Rolle des Ausländers, des Sozialhilfeempfängers oder der kinderreichen Familie.

Durch die Sprachbarriere können sie ihrer Umwelt ihre persönlichen Qualitäten nicht vermitteln, sie fühlen sich verkannt und anonym in einer Gesellschaft, in der sie zu den letzten Gliedern zählen. Da sie gerade anfangs keinen Schritt in ihrem „neuen Leben“ ohne die Begleitung eines Dolmetschers tätigen können, machen sich Gefühle der Macht- und Hilflosigkeit, des Nichtmündigseins, Minderwertigkeitsgefühle und Unselbständigkeit breit. Die erhoffte Sorglosigkeit trifft nicht ein. Meist stehen die Ankömmlinge nach den Strapazen der Flucht vor einem großen Schuldenberg, den sie kaum abzahlen können. Für die Heimat, die ihnen in den letzten Jahrzehnten keine Freude bringen konnte, entwickeln sie Heimweh- und Heimatgefühle. Sie erinnern sich an die Vertrautheit, die Geborgenheit und ihre Selbstsicherheit in der kurdischen Gesellschaft. Doch kaum, dass die Flüchtlinge verschnaufen und einen ersten Eindruck gewinnen können über dieses Land Deutschland, die Menschen, die anderen Gedankengänge, Argumentationsweisen, Logik, die anderen Kulturtechniken, kommt auch schon der Druck von den Verwandten aus Kurdistan. Wer keine eigene Familie hat, ist gefragt, so schnell wie möglich finanzielle Hilfe zu leisten, damit die Verwandten in der Heimat überleben können. Wer eine eigene Familie hat, muss sich umgehend darum kümmern, die Voraussetzungen für den Antrag auf Familienzusammenführung zu erbringen, nämlich ausreichenden Wohnraum und ein Arbeitsverhältnis – beides derzeit nicht so leicht zu bewerkstelligen.

Für die kurdischen Flüchtlinge aus Südkurdistan gibt es keine Beratungseinrichtungen, keine konkreten Anlaufstellen. Da sie kein Deutsch sprechen, aber auch keine der anderen Sprachen in der Flüchtlingsberatung, leisten in der Regel diejenigen Kurden die notwendige Sozialarbeit, die in den 80er Jahren nach Deutschland geflüchtet sind. Auch diese Kurden, die bereits einige Jahre in Deutschland leben, sind augenblicklich völlig überlastet und überfordert, finanziell und psychisch. Die meisten haben ihre Ersparnisse den Verwandten in der Heimat geschickt, damit diese überleben können. Außerdem helfen sie ihren Landsleuten in Deutschland neben Berufstätigkeit, Familie und anderen Verpflichtungen beim Dolmetschen, Behördengängen. Aufenthaltsfragen usw.

Es gibt jedoch eine Kluft zwischen der „alten“ und „neuen“ Gruppe der Kurden, die aus Südkurdistan hier leben. Die Sozialisation der „älteren“ Generation ist geprägt von dem Leben der letzten Jahre im Exil. Da es in den 80er Jahren weniger Kurden aus dem Irak gab, haben sie mehr Kontakte zu Deutschen, zu Kurden aus den anderen Teilen Kurdistans und sind integrierter. Sie identifizieren sich weniger mit den kurdischen Parteien in Südkurdistan. Sie sind mehr bildungsinteressiert, haben häufig ein Studium absolviert und haben großes Interesse an den politischen und gesellschaftlichen Geschehnissen dieser Gesellschaft. Die „neuen“ Kurden sind mehr luxusorientiert. Sie suchen materielle Sicherheit und nur wenige beabsichtigen zu studieren oder sich weiterzubilden. Sicher muss man dazu sagen, dass beide Gruppen in einer anderen Situation und aus anderen Motiven ihr Land verlassen haben und es nicht klar ist, wie sich die „neuen“ Kurden entwickeln werden.

Es lässt sich noch nicht absehen, in welche Richtung die Entwicklung geht, aber es darf spekuliert werden: In fünf bis zehn Jahren wird sich diese kurdische Gruppe organisiert haben oder in den bestehenden kurdischen Organisationen integriert und ein einigermaßen solides Leben aufgebaut haben. Es wird sicher Kurden geben, die eher ein negatives Bild in den Medien bieten werden. Das wird das Bild des „guten“ Kurden aus dem Irak und des „bösen“ Kurden aus der Türkei in der Öffentlichkeit relativieren.
Da jedoch auch viele Schriftsteller, Musiker, Maler und andere Künstler zu den neuen Flüchtlingen gehören, werden sicher neue Werke im Exil veröffentlicht werden. Die Kinder und Jugendlichen werden heranwachsen und so manche kurdische Normvorstellungen ins Wanken bringen. Die Frauen werden nicht unbeeinflusst bleiben von dem, was um sie geschieht. Es wird sicher auch sehr viele positive Impulse geben.

28.01.1997

Kurdistan heute Nr. 21/22, September/Oktober 1997

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