News-Eintrag vom 20.03.2018

Frohes NEWROZ-Fest!

NEWROZ pîroz be! NEWROZTAN pîroz bêt!
NEWROZA şima bimbarek bo!
Happy NEWROZ! Frohes NEWROZ-Fest!

Wie in jedem Jahr feiern die Völker des Mittleren und Nahen Ostens pünktlich zum Frühlingsanfang am 21. März ihr Neujahrfest Newroz.

Kurdinnen und Kurden feiern ihr Newroz Fest 2018 – in diesem Jahr schwankt die Stimmung zwischen Trauer, Wut, Angst und Ohnmacht!

Auch das größte „Volk auf Erden ohne eigenen Staat“, so wie die Kurdinnen und Kurden gerne im Westen bezeichnet werden, feiert diesen Tag als Tag der Befreiung, des Widerstands gegen die Unterdrückung in ihren jeweiligen Ländern wie in der Türkei, im Irak, Iran oder in Syrien. In allen vier Ländern, wo die Kurdinnen und Kurden jeweils die größte Minderheit ausmachen, sind die Menschen massiven politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Repressionen ausgesetzt, dürfen zum Teil ihre Muttersprache nicht frei sprechen, dürfen ihre Musik nicht hören und ihre Kinder werden in den Schulen entweder auf Arabisch, Persisch oder Türkisch dazu gezwungen, ihre eigene Kultur aufzugeben und die des Landes anzunehmen, Assimilation also wie sie im Buche steht.

Im Iran werden kurdische Oppositionelle und junge Kurdinnen und Kurden zu lebenslangen Haftstrafen oder gleich zum Tode verurteilt und fast täglich finden Hinrichtungen statt. Im Irak steht nach dem Unabhängigkeitsreferendum im Kurdistan-Irak im Herbst 2017 seitens Bagdad wieder eine repressivere Kurdenpolitik auf der Tagesordnung, die maßgeblich vom Iran gesteuert wird. Die Zentralregierung im Irak erteilte zwar die Erlaubnis für die Wiedereröffnung der Flughäfen in Kurdistan-Irak, jedoch wurden die Flughäfen wieder unter die Aufsicht Bagdads gestellt. In der Türkei herrscht immer noch der Ausnahmezustand. Unter Präsident Erdogan wurden und werden inzwischen die kurdischen Städte und Ortschaften dem Erdboden gleichgemacht. Die Führung der prokurdischen HDP sowie zahlreiche Abgeordnete und fast alle Bürgermeister in den kurdischen Städten wurden verhaftet. Mehr als 150 JournalistInnen befinden sich in Gefängnissen. Von dem Krieg in Syrien, von denen die Kurdinnen und Kurden ebenfalls stark betroffen sind, gar nicht zu sprechen.

Aufgrund dieser lebensbedrohlichen Umstände in ihren Heimatländern sind Millionen von Kurdinnen und Kurden ins Ausland geflüchtet, sehr viele von ihnen auch nach Deutschland. Daher feiern Kurdinnen und Kurden auch weltweit in der Diaspora am 21. März ihr Newroz Fest.

Zwar ist Newroz ein Fest voller Zuversicht und Hoffnung; dieses Jahr ist jedoch die Stimmung getrübt angesichts des brutalen Vorgehens der türkischen Armee gegen die Kurdenstadt Afrin in Nordsyrien.

Mittlerweile hat die türkische Armee mit ihren islamistischen Söldnern aus ehemaligen Al Qaida und IS-Kämpfern das Stadtzentrum von Afrin erreicht, und es droht eine humanitäre Katastrophe ungeahnten Ausmaßes an der Zivilbevölkerung. Viele sprechen von einem drohenden Genozid an dem Teil der Bevölkerung, der nicht wie Tausende andere die Region fluchtartig verlassen hat. Am Freitag griff die türkische Luftwaffe das einzige in Afrin funktionierende Krankenhaus an und tötete dabei mehr als 16 Menschen, darunter schwangere Frauen und viele Kinder. Im Zuge der sog. „Operation Olivenzweig“ der türkischen Regierung unter ihrem Präsidenten Erdogan kamen bisher mehr als 300 Zivilisten ums Leben, darunter auch viele Schutzbedürftige und Geflüchtete aus anderen Teilen Syriens, die in Afrin Zuflucht gefunden hatten. Die Zahl der Verletzten erreicht mittlerweile die 1000er Marke.

In vielen Städten Westeuropas gehen die Menschen auf die Straßen, um auf die drohende Vernichtung der Zivilbevölkerung und eine seitens der Türkei angestrebte ethnische Säuberung aufmerksam zu machen und westliche Staaten wie Deutschland dazu zu bewegen, Druck auf den NATO und EU-Partner Türkei zu üben und ihn – wie es das Europäische Parlament unlängst getan hat- zu einem Rückzug aus der Region um Afrin zu bewegen. Allen ist klar, es droht eine erneute Flüchtlingswelle, diesmal erzeugt von einem engen Verbündeten und NATO-Partner. Doch geschehen ist bis zum heutigen Tag nichts, im Gegenteil: kürzlich wurde bekannt, dass die Bundesregierung seit Januar diesen Jahres erneut Rüstungsexporte im Wert von mehr als 4,4 Millionen Euro an die Türkei genehmigt hat, obwohl der ehemalige Außenminister Gabriel dies vor Kamera immer wieder geleugnet hatte.

Das Schweigen der Bundesregierung unter Kanzlerin Merkel zu den Geschehnissen in Nordsyrien treibt immer mehr Menschen auf die Straßen und wird nunmehr von einer großen Enttäuschung und Wut begleitet, da sie sich – zurecht – wieder einmal von den westlichen Staaten und der NATO verraten und vergessen fühlen. Es darf nicht vergessen werden, dass es doch gerade die syrisch – kurdischen Volksverteidigungseinheiten der YPG waren, die die allergrößte Last im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat ( IS ) getragen haben und damit auch die Freiheit und Sicherheit in Europa an vorderster Stelle zum Teil mit ihrem Leben verteidigt haben.

Trotz der schwierigen Situation wünscht NAVEND – Zentrum für kurdische Studien e.V. wünscht allen ein frohes Newroz Fest voller Hoffnung und Zuversicht.

Bonn, 20.03.2018

Termine

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Juni
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