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News-Eintrag vom 13.10.2018

Zu Unrecht inhaftierter Kurde kommt tragisch ums Leben

Mehr als zwei Monate lang saß der 26 Jahre alte Amad Ahmad aus der kurdischen Stadt Afrin unschuldig in einer Jugendvollzugsanstalt im nordrhein-westfälischen Kleve. Am 17.09.2018 fiel er einem Zellenbrand zum Opfer und wurde schwer verwundet ins Krankenhaus eingeliefert, wo er wenige Tage später seinen Verletzungen erlag.

Erst nach dem Tod des jungen Mannes wurde bekannt, dass es sich bei ihm gar nicht um den gesuchten Straftäter handelte – das Ende einer Kette von Fehlern, an deren Anfang eine fatale Verwechslung steht.

Zwei Wochen nach seinem tragischen Tod in der Obhut der Behörden sind noch viele Fragen ungeklärt. Mehrmals war der Tod des aus Syrien geflüchteten Kurden bereits Thema im Landtag. Mit großer Sorge beobachtet NAVEND – Zentrum für Kurdische Studien e.V. die widersprüchlichen Angaben und Schuldzuweisungen von Justiz und Polizei. Sicher ist: Niemand stellte die Verwechslung fest, obwohl Amad Ahmad mehrfach betonte, er komme aus Syrien. Der Haftbefehl galt jedoch einem Mann aus Mali. Zum Verhängnis wurde Ahmad die Ähnlichkeit ihrer Namen. Obwohl persönliche Daten, als auch das Foto nicht mit der gesuchten Person übereinstimmten, wurde Amad Ahmad nicht aus der Haft entlassen.

Vollkommen unbegreiflich bleibt außerdem die Tatsache, dass nach seinem Tod die Familienangehörigen nicht informiert wurden. Als sein Vater sich am 04.10.2018 bei der Polizei nach seinem Sohn erkundigt haben soll, war dieser bereits seit fünf Tagen verstorben.

NAVEND – Zentrum für Kurdische Studien e.V. ist über den Tod Amad Ahmads und das Versagen der Behörden zutiefst bestürzt und hofft auf eine schnelle, transparente und lückenlose Aufklärung der Geschehnisse durch die nordrhein-westfälische Justiz. NAVEND e.V. begrüßt die Einrichtung eines diesbezüglichen Untersuchungsausschusses, um die Sachlage zu prüfen, Schuldige zu identifizieren und Familienangehörige zu entschädigen.

Am Samstag, den 13. Oktober 2018 fand in Bonn die Beerdigung von Amad Ahmad statt. Der junge Kurde saß infolge gravierender Fehler der Polizeibehörden zwei Monate lang unschuldig in Haft und kam bei einem Brand im Gefängnis in Kleve ums Leben. Die Umstände dieses Brandes sind noch ungeklärt.

Gemeinsam mit zahlreichen VertreterInnen der kurdischen Community nahm NAVEND – Zentrum für Kurdische Studien e.V. an der Beisetzung teil, um dem Verstorbenen zu gedenken und seinen Angehörigen sein tiefes Mitgefühl auszudrücken.

Auch Vertreter der nordrhein-westfälischen Landesregierung, Innenminister Herbert Reul (CDU) und Justizminister Peter Biesenbach (CDU), sowie die Landtagsmitglieder Sven Wolf (SPD), Mona Neubaur und Stefan Engstfeld (Bündnis 90/Die Grünen) wohnten der Beerdigung bei. In ihren Reden bekundeten sie ihre Anteilnahme und versprachen eine lückenlose Aufklärung der tragischen Falls.

In einem kurzen persönlichen Gespräch am Rande der Beisetzung bedankte sich der Vorsitzender von NAVEND e.V, Metin Incesu, bei den Vertretern der Landesregierung für deren Teilnahme an der Beerdigung, welches er als wichtiges Zeichen von Seiten der verantwortlichen Minister erachtete. Gleichzeitig unterstrich er aber auch die Forderung nach einer transparenten und zügigen Aufklärung des Falls durch einen Untersuchungsausschuss sowie die Entschädigung der Familienangehörigen.

Wir verbleiben in tiefer Trauer und in Gedanken mit der Familie Ahmads.

NAVEND – Zentrum für Kurdische Studien e.V. 

Bornheimer Str. 20-22, 53111 Bonn
Tel: 0228 652900, Fax: 0228 652909
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