Zum Inhalt
News-Eintrag vom 10.07.2019

Wir gedenken der Opfer des Sivas-Massakers (2. Juli 1993)

Der 2. Juli 1993 hat sich als weiterer Ausdruck der brutalen Verfolgung in das kollektive Gedächtnis der alevitischen Religionsgemeinschaft gebrannt.

Eine gewaltbereite Meute von Tausenden Islamisten und Rechtsextremen belagerte an diesem Tag das Hotel Madimak in der anatolischen Stadt Sivas, in dem ein alevitisches Kunst- und Kulturfestival stattfand und setzte es schließlich unter dem Schlachtruf „Es lebe die Scharia!“ in Brand. 35 Menschen verloren dabei ihr Leben. Unter den Opfern waren neben prominenten alevitischen Künstlern, Dichtern und Musikern auch zwei Kinder.

Die Alevitinnen und Aleviten sprechen von einem Massaker und einer aktiven Verantwortung des türkischen Staates für diese Verbrechen. Dabei spielt insbesondere der Umstand eine Rolle, dass der Lynchmob und der Brandanschlag über mehrere Stunden live im türkischen Staatsfernsehen übertragen wurden und türkische Sicherheitskräfte nicht eingriffen. Die damalige Ministerpräsidentin der Türkei, Tansu Çiller, äußerte sich infolge des Anschlags mit den Worten, dass die Menschen vor dem Madimak-Hotel „zum Glück keinen Schaden genommen“ hätten. Gemeint waren damit die Islamisten und Rechtsextremen, die das Hotel belagerten und es schließlich in Brand setzten.

Bis heute behindern türkische Behörden die Alevitinnen und Aleviten in der Türkei beim aktiven Gedenken und Trauern, und die alevitische Bevölkerung wird systematisch durch den türkischen Staat diskriminiert, wie zuletzt im Jahr 2016 durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte festgestellt. Auch die umfängliche juristische Strafverfolgung der Täter durch die türkische Justiz ist bisher ausgeblieben, denn auch wenn es zu diversen Verurteilungen kam, konnten sich neun rechtskräftig verurteilte Täter dem Verfahren in der Türkei entziehen, indem sie nach Deutschland flüchteten. Besonders skandalös ist in diesem Zusammenhang, dass acht von ihnen politisches Asyl erhielten beziehungsweise als Flüchtling im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt wurden.

Wir, als NAVEND – Zentrum für Kurdische Studien e.V., gedenken der 35 Opfer des Brandanschlags und fordern eine konsequente Verfolgung und Verurteilung der Täter, die für diese Verbrechen verantwortlich sind. Dabei trägt auch die deutsche Justiz die Verantwortung, sich mit den nach Deutschland geflüchteten Tätern zu beschäftigen und der Frage nachzugehen, wie es sein kann, dass diese hierzulande vor der Strafverfolgung geschützt werden. Außerdem muss es den Alevitinnen und Aleviten möglich sein, mittels Trauermärschen, Errichtung von Gedenkstätten und Veranstaltungen auf diese Verbrechen und ihre Anliegen aufmerksam zu machen und der Opfer in Würde zu gedenken. Bonn, 02.07.2019

NAVEND – Zentrum für Kurdische Studien e.V. 

Bornheimer Str. 20-22, 53111 Bonn
Tel: 0228 652900, Fax: 0228 652909
info@navend.de


Jede Spende hilft unserer Arbeit!

In unserer Arbeit setzen wir uns mit wichtigen Entwicklungen in allen Teilen Kurdistans auseinander und unterstützen Prozesse zur Verbesserung der Lage der Kurd*innen in ihrer Heimat. Seit unserer Gründung haben wir mit zahlreichen Veranstaltungen und Projekten viele drängende Themen aufgegriffen.

Die Umsetzung all dieser Aktivitäten wäre ohne die ehrenamtliche Tätigkeit vieler Freund*innen nicht möglich gewesen. Gerade weil NAVEND e.V. eine überparteiliche und unabhängige deutsch-kurdische Institution ist, sind wir in unserer Arbeit auf Ihre/Eure Spende angewiesen.

Weiterlesen

Hinweis in eigener Sache:

In der jetzigen Corona-Pandemie hoffen wir, dass es Euch/Ihnen und Euren/Ihren Familien gut geht.

Um niemanden zu gefährden, haben wir alle Veranstaltungen und Treffen bis auf Weiteres abgesagt. Unsere Geschäftsstelle ist von Montag bis Donnerstag von 9.00 – 17.00 Uhr für den Publikumsverkehr geöffnet. Wir bitten jedoch um vorherige Terminvereinbarung; auch ist ein Mund-Nasen-Schutz erforderlich.

Wir sind zudem – wie bisher – per E-Mail erreichbar, unter zentrum@navend.de und info@navend.de. Auf diesem Weg kann man sich mit Anliegen, Anregungen und Fragen an uns wenden.

Auch und gerade in dieser schwierigen Zeit möchten wir unsere Themen voranbringen und uns gegenseitig unterstützen.

Auf unserer Website halten wir für Sie/ Euch aktuelle Informationen bereit. Wir sind weiter aktiv, bleiben aber auf Distanz.

Hinweise zum Umgang mit dem Corona-Virus auf Kurdisch

Informationen der Landesregierung NRW: Kurmancî

Mehrsprachige Information zum Umgang mit dem Coronavirus

Kurdischsprachiges Beratungsangebot in Köln-Vingst

Montags 13.00 – 15.00 Uhr
Kultur- und Bildungszentrum Köln e.V.
Olpener Str. 143, 51103 Köln-Vingst

Diese Beratung wird ehrenamtlich von Herrn Hasan Taschkale durchgeführt. Wir danken ihm für sein Engagement. Er hilft bei Alltagsfragen – ob zum Thema Schule, Behörden oder Beruf, durch Übersetzung, Gespräche oder gegebenenfalls den Verweis zu Fachberatungsstellen.

Infomaterial für Geflüchtete in kurdischer Sprache

Hier gibt es Informationen über Asylrecht, Asylverfahren und weitere hilfreiche Links.

Kurdische Lehrbücher für Kinder

Hier finden Sie die erste Auflage unser neuen Broschüre, die aktuelle Lehrmaterialien für den Kurdisch-Unterricht auflistet und kommentiert.


Schrift anpassen



Farbauswahl