Zum Inhalt
News-Eintrag vom 20.03.2020

Zwei Jahre türkische Besatzung in Afrin

Am 20. Januar 2018 begann die Türkei ihre militärische Offensive gegen die kurdischen Selbstverwaltungsgebieten im Distrikt Afrin (Syrien) und konnte schließlich am 18. März 2018 den Ortskern der Stadt Afrin einnehmen und besetzen.

Afrin galt bis zum Angriff der Türkei als eine der letzten sicheren Zufluchtsorte für Binnenvertriebene im Land. Die Türkei bediente sich bei ihrer Operation der Unterstützung islamistischer Kämpfer. Sie setzte dabei auch deutsche Waffen – wie Leopard 2-Panzer – ein. Aus Furcht vor Massakern durch türkische Soldaten und islamistische Milizen flüchteten daraufhin Hunderttausende.

Dieser militärische Überfall und die Besetzung von offiziell syrischem Staatsterritorium wurden in der Völkerrechtslehre und Praxis weitestgehend einhellig als völkerrechtswidrig verurteilt. Auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages bezeichnete die Militäroffensive, die die türkische Regierung zynischer Weise als „Operation Olivenzweig“ betitelt, als völkerrechtswidrige Handlung.

Auch zwei Jahre danach hält die türkische Besatzung weiterhin an. Darüber hinaus besetzte die Türkei im Oktober 2019 mit der sog. Operation „Friedensquelle“, ebenfalls unter Beteiligung islamistischer Milizen, einen 120 Kilometer breiten und 30 Kilometer tiefen Streifen im Grenzgebiet zwischen der Stadt Serêkaniyê (Ras-al-Ayn) und Girê Spî (Tell Abyad), der von Kurden bewohnt wurde.

In Afrin haben türkische Militärs und ihre islamistischen Verbündeten nun nach zwei Jahren in den besetzten Gebieten bereits Fakten geschaffen: Die Stadt wurde geplündert, Zivilisten ermordet, zehntausende kurdische Einwohner aus der Stadt vertrieben, deren Häuser und Felder beschlagnahmt und an die überwiegend turkmenischen und arabischen islamistischen Familien, die aus anderen syrischen Gebieten stammten, verteilt. Auch Kulturgüter wurden geplündert bzw. zerstört. Ganze Ortschaften wurden umbenannt und erhielten seitdem arabische oder türkische Namen. In den Schulen wurde Arabisch und Türkisch Unterrichtssprache. Alles Kurdische wurde aus dem öffentlichen Leben getilgt. Je länger dieser völkerrechtswidrige Zustand anhält, umso schwieriger wird eine Rückkehr der vertriebenen Menschen.

Bereits im März 2018 hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) noch gesagt, dass die türkische Militäroperation „sicherlich nicht mehr im Einklang mit dem Völkerrecht wäre“, wenn türkische Truppen dauerhaft in Syrien bleiben würden. Weitere Schritte blieben jedoch aus. Dies ist ein Versagen der westlichen Welt.

Die Tatsache, dass die Reaktionen der internationalen Staatenwelt zur Besetzung Afrins nur verhalten ausgefallen sind, hat die türkische Regierung gerade zu weiteren völkerrechtswidrigen Handlungen in Nordsyrien ermutigt. Auch die Operation „Friedensquelle“ führte zu einer Vertreibung von zehntausenden Zivilisten.

Schon im Vorfeld der sogenannten Operation „Friedensquelle“ hatte der türkische Präsident Erdogan 2019 die Einrichtung einer sogenannten Sicherheitszone auf syrischem Gebiet entlang der türkischen Grenze, das überwiegend von Kurden bewohnt wird, angekündigt und den Plan einer Umsiedlung von mehr als einer Million syrischer Flüchtlinge aus der Türkei in diese Zone öffentlich bekannt gegeben, sogar vor der UN Vollversammlung. Dabei forderte er wiederholt die Weltgemeinschaft, insbesondere die EU und Deutschland, zur Finanzierung dieser Umsiedlungspläne auf. Er drohte dabei andernfalls damit, den „Weg für Flüchtlinge nach Europa freizumachen“.

Dieses Spiel darf Deutschland und Europa nicht mitmachen.

NAVEND – Zentrum für Kurdische Studien e.V. 

Bornheimer Str. 20-22, 53111 Bonn
Tel: 0228 652900, Fax: 0228 652909
info@navend.de


Hinweis in eigener Sache:

In der jetzigen Corona-Pandemie hoffen wir, dass es Euch/Ihnen und Euren/Ihren Familien gut geht.

Um niemanden zu gefährden, haben wir alle Veranstaltungen und Treffen bis auf Weiteres abgesagt. Unsere Geschäftsstelle ist derzeit geschlossen. Wir bieten aber eine telefonische Sozialberatung in der Zeit von 9.30 -12.30 Uhr (Montag bis Donnerstag) an bzw. stehen für Fragen zur Verfügung.

Wir sind zudem – wie bisher – per E-Mail erreichbar, unter zentrum@navend.de und info@navend.de. Auf diesem Weg kann man sich mit Anliegen, Anregungen und Fragen an uns wenden.

Auch und gerade in dieser schwierigen Zeit möchten wir unsere Themen voranbringen und uns gegenseitig unterstützen.

Auf unserer Website halten wir für Sie/ Euch aktuelle Informationen bereit. Wir sind weiter aktiv, bleiben aber auf Distanz.

Hinweise zum Umgang mit dem Corona-Virus auf Kurdisch

Informationen der Landesregierung NRW: Maßnahmen gegen das Corona-Virus Deutsch-Kurmancî

Hygienetipps der Stadt Bonn in verschiedenen Sprachen
Kurmancî

Kurdischsprachiges Beratungsangebot in Köln-Porz

Montags 10.00 – 12.30 Uhr
Bürgerzentrum Finkenberg
Stresemannstr. 6a, 51149 Köln-Porz

Montags 13.00 – 15.30 Uhr
ISS-Netzwerk
Kaiserstr. 105
51145 Köln-Porz

Unser Berater hilft bei sämtlichen Alltagsfragen – ob zum Thema Schule, Behörden oder Beruf, durch Übersetzung, Gespräche oder gegebenenfalls den Verweis zu Fachberatungsstellen. Mehr Info hier: Deutsch Kurmancî Soranî Kirmanckî  

M.O.N.A. – Bildung, Beratung, Begegnung, Bewegung

NAVEND e.V. kooperiert innerhalb dieses Projekts mit dem Malteser Hilfsdienst e.V., dem Olympic Taekwondo Club Bonn e.V. und der AWO Integrationsagentur in Bad Godesberg.

Infomaterial für Geflüchtete in kurdischer Sprache

Hier gibt es Informationen über Asylrecht, Asylverfahren und weitere hilfreiche Links.

Kurdische Lehrbücher für Kinder

Hier finden Sie die erste Auflage unser neuen Broschüre, die aktuelle Lehrmaterialien für den Kurdisch-Unterricht auflistet und kommentiert.


Schrift anpassen



Farbauswahl