Zum Inhalt
News-Eintrag vom 18.03.2021

Drei Jahre türkische Besatzung in Afrin – und die Welt schaut zu

Drei Jahre ist es nun her: Unter dem Namen „Operation Olivenzweig“ startete die Türkei am 20. Januar 2018 eine Offensive gegen die kurdischen Selbstverwaltungsgebiete im Distrikt Afrin (Syrien) und nahm schließlich am 18. März 2018 die Stadt Afrin ein.

Bei ihrer Operation bediente sich die Türkei der Unterstützung dschihadistischer Söldnertruppen und setzte auch deutsche Waffen – wie Leopard 2-Panzer ein. Bis heute hält die türkische Besatzung an. Nach Auswertung verschiedener Quellen und Medienberichte ist festzuhalten, dass die türkischen Militärs und ihre islamistischen Verbündeten in dem Gebiet inzwischen traurige Fakten geschaffen haben:

• Vertreibung von 300.000 Zivilisten,
• 7.457 Zivilisten wurden entführt; das Schicksal von 3.500 Zivilisten ist unbekannt,
• 612 Zivilisten wurden getötet, darunter Kinder und Frauen,
• mehr als 691 Zivilisten wurden verwundet,
• mehr als 60 Prozent der Häuser der ursprünglichen Bevölkerung Afrins wurden beschlagnahmt,
• mehr als 315.000 Olivenbäume wurden gefällt, zu Brennholz verarbeitet und verkauft,
• Verbrennung von 12.000 Hektar Land der besetzten Stadt Afrin,
• Zerstörung und Plünderung von 105 archäologischen Stätten,
• Zerstörung von mehr als 65 Schulen und Umwandlung in islamische Religionsschulen.

Darüber hinaus gibt es Tausende von Verstößen und Belästigungen der Bürger Afrins durch die Söldner der türkischen Besatzung. Angesiedelt wurden überwiegend turkmenische und arabische islamistische Familien, die aus anderen syrischen Gebieten stammen. Ortschaften wurden umbenannt und erhielten arabische oder türkischen Namen.

Bereits im März 2018 hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) noch gesagt, dass die türkische Militäroperation „sicherlich nicht mehr im Einklang mit dem Völkerrecht wäre“, wenn türkische Truppen dauerhaft in Syrien bleiben würden. Aber genau das ist geschehen!

Diese Besetzung von offiziell syrischem Staatsterritorium wurde inzwischen in der Völkerrechtslehre und Praxis nahezu einhellig als völkerrechtswidrig verurteilt.

Gefolgt ist daraus aber bisher nichts. Die Tatsache, dass die Reaktionen der internationalen Staatengemeinschaft nur leise Kritik geübt haben, hat die türkische Regierung vielmehr zu weiteren völkerrechtswidrigen Handlungen in Nordsyrien ermutigt: Mit der sog. „Operation Friedensquelle“, die im Oktober 2019 begann, besetzte die Türkei weitere Teile Syriens und setzte ihre Vertreibungspolitik fort.

Nicht nur die westliche Welt, auch die arabische Liga und die Organisation für islamische Zusammenarbeit, verschließen die Augen und scheinen vor der Türkei zu kapitulieren. Dies ist beschämend und für die betroffenen Kurden dramatisch. Sie wurden von der Welt allein gelassen.

NAVEND – Zentrum für Kurdische Studien e.V. 

Bornheimer Str. 20-22, 53111 Bonn
Tel: 0228 652900, Fax: 0228 652909
info@navend.de


Jede Spende hilft unserer Arbeit!

In unserer Arbeit setzen wir uns mit wichtigen Entwicklungen in allen Teilen Kurdistans auseinander und unterstützen Prozesse zur Verbesserung der Lage der Kurd*innen in ihrer Heimat. Seit unserer Gründung haben wir mit zahlreichen Veranstaltungen und Projekten viele drängende Themen aufgegriffen.

Die Umsetzung all dieser Aktivitäten wäre ohne die ehrenamtliche Tätigkeit vieler Freund*innen nicht möglich gewesen. Gerade weil NAVEND e.V. eine überparteiliche und unabhängige deutsch-kurdische Institution ist, sind wir in unserer Arbeit auf Ihre/Eure Spende angewiesen.

Weiterlesen

Hinweis in eigener Sache:

In der jetzigen Corona-Pandemie hoffen wir, dass es Euch/Ihnen und Euren/Ihren Familien gut geht.

Um niemanden zu gefährden, haben wir alle Veranstaltungen und Treffen bis auf Weiteres abgesagt. Unsere Geschäftsstelle ist von Montag bis Donnerstag von 9.00 – 17.00 Uhr für den Publikumsverkehr geöffnet. Wir bitten jedoch um vorherige Terminvereinbarung; auch ist ein Mund-Nasen-Schutz erforderlich.

Wir sind zudem – wie bisher – per E-Mail erreichbar, unter zentrum@navend.de und info@navend.de. Auf diesem Weg kann man sich mit Anliegen, Anregungen und Fragen an uns wenden.

Auch und gerade in dieser schwierigen Zeit möchten wir unsere Themen voranbringen und uns gegenseitig unterstützen.

Auf unserer Website halten wir für Sie/ Euch aktuelle Informationen bereit. Wir sind weiter aktiv, bleiben aber auf Distanz.

Hinweise zum Umgang mit dem Corona-Virus auf Kurdisch

Informationen der Landesregierung NRW: Kurmancî

Mehrsprachige Information zum Umgang mit dem Coronavirus

Kurdischsprachiges Beratungsangebot in Köln-Vingst

Montags 13.00 – 15.00 Uhr
Kultur- und Bildungszentrum Köln e.V.
Olpener Str. 143, 51103 Köln-Vingst

Diese Beratung wird ehrenamtlich von Herrn Hasan Taschkale durchgeführt. Wir danken ihm für sein Engagement. Er hilft bei Alltagsfragen – ob zum Thema Schule, Behörden oder Beruf, durch Übersetzung, Gespräche oder gegebenenfalls den Verweis zu Fachberatungsstellen.

Infomaterial für Geflüchtete in kurdischer Sprache

Hier gibt es Informationen über Asylrecht, Asylverfahren und weitere hilfreiche Links.

Kurdische Lehrbücher für Kinder

Hier finden Sie die erste Auflage unser neuen Broschüre, die aktuelle Lehrmaterialien für den Kurdisch-Unterricht auflistet und kommentiert.


Schrift anpassen



Farbauswahl